Ländliches Leben in Nordschwaben dargestellt in drei Museen
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Pressestimmen

Hollerküchle, Schmiedearbeiten und mehr

Aus der Schmiede klangen am Museumstag die Hammerschläge der Jungschmiede Benedikt Römer und Andreas Völk
                                                      Foto: Ulrike Hampp-Weigand

 Donauwörther Zeitung Nr.: 132 vom Freitag 10. Juni 2022 

Freizeit   Beim Museumstag in Mertingen steht einiges auf dem Programm. Die Besucher genießen das vielfältige Angebot.
Erlebnisreich war der Museumssonntag in Mertingen, zu dem die Museumsfreunde zahlreichen Besuchern einiges zu bieten hatten. In der Alten Schule hinter dem Rathaus gab es wunderbare Hollerküchle zu naschen. Und Jung und Alt ließen sich die von der früheren Ortsbäuerin Barbara Schweihofer und ihrer "Beiköchin" Christa Reiter gesammelten, nur trocken ausgeschüttelten Hollerblüten schmecken. Diese Köstlichkeit wieder genießen zu können, ließen sich viele Besucherinnen und Besucher nicht entgehen. Musste doch in den vergangenen zwei Jahren der so beliebte traditionelle Kaffeeklatsch coronabedingt ausfallen.

Das Highlight des Mertinger Museumstages: Die aus der Schmiede klingenden Hammerschläge
Das Besondere an diesem Museumstag waren aber auch die aus der Schmiede klingenden Hammerschläge. Die beiden von Karl Schabert angelernten "Jungschmiede" Benedikt Römer und Andreas Völk bearbeiteten vor vielen begeisterten Beobachtern mit kraftvollen Schlägen die glühend gemachten Eisenstangen. Auch dieses alte Handwerk wird bei den Museumsfreunden Mertingen, die in ihrem Museum eine alte, vollständig eingerichtete Schmiede zur Verfügung haben, hoch in Ehren gehalten.
Daneben konnten die alten, von den Mertinger Kindern im vergangenen Jahrhundert bespielten und liebevoll aufbewahrten Spielsachen bestaunt und teilweise wiedererkannt ("Das kenn ich! Das ist vom Opa!") werden. In der Sölde gab es des Weiteren Überhandtücher in den verschiedenen Sticktechniken mit Sinnsprüchen wie "So lieblich wie dies Lämmchen wünsch ich mir mein Männchen" zu bestaunen und zu belächeln. Und im Stadel war die von Hermann Bobinger wieder neu herausgeputzte und funktionstüchtig hergerichtete alte Mertinger Kirchturmuhr ein echter Hingucker.

Unterm Strich war es ein sehr erfolgreicher Museumstag – mit wieder vielen, auch Mertinger Besuchern, die ihre Museen wieder entdeckt haben. (uhw)


Die Mertinger „Hexen“ und eine unbarmherzige Justiz

Die Hinrichtungen von als Hexen verurteilten Frauen gehören zu den dunkels­ten Kapiteln der Menschheit.      Foto: dpa

DONAUWÖRTHER ZEITUNG -Mittwoch: 08. April 2020, Nummer 83

Geschichte:
Ottmar Seuffert löste bei seinen Recherchen durch einen glücklichen Umstand ein historisches Rätsel
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VON ULRIKE HAMPP-WEIGAND
Mertingen/Donauwörth
Was haben die Fugger und Donauwörth mit He­xen in Mertingen zu schaffen? Dieses historische Rätsel löste (noch vor Co­rona) Ottmar Seuffert, der frühere Stadtarchivar Donauwörth, in sei­nem Vortrag bei den Museumsfreun­den in Mertingen. Er verriet auch, wie er letztlich dem Geheimnis auf die Spur kam. Denn Urkunden, Ak­ten oder dergleichen gibt es ja nicht mehr, diese wurden vernichtet.
So kam ihm dabei ein glücklicher Zufall zur Hilfe: Bei Recherchen zu den Mangolden von Werd, der Reichspflege Werd (Donauwörth) und dem Reichspfleger Marcus (Marx) Fugger fand Ottmar Seuffert den Schriftverkehr zwischen Letz­terem, dem ältesten Sohn des Anton Fugger, und dem in Werd residie­renden Lehnsvogt Mathäus Wanner zu den Hexenprozessen, die 1590 in der Reichspflege Werd geführt wur­den.
Die genaue Zahl der wegen Hexe­rei mit Schadenzauber (nur das führ­te nach der Constitutio Criminalis Carolina, der peinlichen Halsge­richtsordnung Kaiser Karls V., zum Tod auf dem Scheiterhaufen) bezich­tigten Frauen ist nicht bekannt, wohl aber das Schicksal von zweien der Unglücklichen, die in Mertingen an der Richtstätte am Galgenberg ver­brannt wurden.
Einem Hexenprozess ging regel­mäßig eine Denunziation voraus: In Tapfheim war 1589 Walburg Ohnsorg als Hexe verbrannt worden. Sie hatte unter der Tortur die alte Mes­nerin Katharina Weber aus Auchsesheim als Hexe angezeigt. Mathäus Wanner erfuhr 1590 davon und be­richtete den Vorgang Marcus Fug­ger. Es war nach Seufferts Ausfüh­rungen der erste Hexenprozess in Werd. Fugger ordnete Nachfor­chungen „in der Stille“ an. Die Frauen wurden entgegen den Regeln nicht in den Kerker im Fuggerhaus in Werd gebracht. Katharina Weber und eine Anna Gumpin wurden in dem Kastenstadel der Vogtei in Mertingen (später Pfennigbäck) eingekerkert. Das gesamte Verfahren wurde nicht vor dem Donauwörther Stadtgericht, sondern in Mertingen durchgeführt, das Urteil in Donauwörth lediglich bekannt gemacht. Nicht der Donauwörther Scharfrichter wurde mit der Beweiserhebung - das heißt der Tortur - betraut, sondern der Lauinger. Er sollte „gute Nachfrage halten“ nach Schadenzauber. Fugger schaltete zur Prüfung des Falles sogar Juristen ein.
Das Urteil fällten vier Personen: zwei aus Mertingen, eine aus Nordheim und eine aus Riedlingen. Das Verfahren endete erwartungsgemäß mit Verurteilung. Den Opfern standen der Pfarrer aus Riedlingen und ein Priester aus Mertingen bei. Am 8. Juni 1590 wurden die Frauen in Mertingen am Galgenberg, dem heu­tigen
Naturdenkmal „Drei Eichen
, lebendig verbrannt. Ihre „Verlassen­schaft“ wurde, nach Abzug der Voll­streckungskosten, entgegen der Übung nicht eingezogen, sondern den Hinterbliebenen überlassen.
Marcus Fugger wollte mit seinen Anordnungen offensichtlich Aufsehen und möglicherweise weitere Hexen­prozesse verhindern. Ringsum tobten Hexengerichte, in Münster, Höchstädt, Dillingen wurden Hexen ver­brannt, in Wallerstem gar 277 Frauen, glaubt man dem Bericht der in Ulm erschienenen „erweiterten Unholdin Zeitung“ für die Zeit von 1560 bis zum 21. Juli 1590. Die Mertinger „Hexen“ stehen nicht drin. Eine wahrhaft grausame Zeit, in der Un­wissenheit und Aberglauben, aber auch eine unbarmherzige Justiz viele Unschuldige grausam töteten.


Mertingens spannende Vergangenheit

DONAUWÖRTHER ZEITUNG -SAMSTAG: 12. OKTOBER 2019, Nummer 236

Museumsfreunde laden zu Veranstaltungen ein

Mertingen „1050 Jahre Mertingen“: Bei diesem Jubiläum kann man eine Zeitreise ins frühe Mittelalter machen und ist doch noch nicht bei den Wurzeln des Ortes angekommen. Der Sporn über dem Lechtal und die sprudelnden Wasser der Schmutter lockten schon viel früher Menschen an, die auf der Suche nach guten Wohnplätzen oder militärisch interessanten Punkten waren. Jungsteinzeit, Römer- und Alemannenzeit haben Spuren hinterlassen. Auf ihrem Weg durch die Geschichte erlitten die Mertinger alles, was den süddeutschen Raum im Laufe der Jahrhunderte durchrüttelte: wechselnde Herrschaften, durchziehende Heere, Besatzung, Plünderung, Seuchen, Hunger. Der Ort hat sich behauptet und genießt jetzt, wie alle Deutschen, einen mehr als 70-jährigen Frieden.

Von all dem berichtet die Ausstellung „1050 Jahre Mertingen“ in der Alten Schule (hinter dem Rathaus). Die Ausstellung ist an allen Oktobersonntagen (14 bis 17 Uhr) geöffnet.

Mertingens erstes Schulhaus, 1857 gebaut, feiert auch seinerseits ein kleines Jubiläum: Am 8. Oktober 1994 wurde es - nach einer ziemlich dramatischen Rettungsaktion - mit Gemälden von Lorenz und Isolde Carstensen als Ausstellungsraum eröffnet. Dass eine Gemeinde wie Mertingen einen solchen braucht, hatte die damalige Vorsitzende der Museumsfreunde Mertingen, Anna Wunderer, früher als andere erkannt. Ihre Initiative rettete das Haus nicht nur vor der Spitzhacke, sie sorgte auch mit vielen Unterstützern und dem tatkräftigen Einsatz der Mitglieder des Museumsvereins für eine umfassende Restaurierung.

Funde aus der Römerzeit, Schneider- und Schulstube fanden hier Obdach, in die Ökonomiegebäude zogen Backstube, Schmiede, Postmuseum und zuletzt Webstube ein. Mit regelmäßigen Kunstausstellungen, aber auch mit Ausstellungen von Objekten aus den Museumsbeständen sowie Sammlungen Mertinger Bürger und Erzeugnissen künstlerisch handwerklicher Fertigkeiten von Freunden aus der Region zog reges Leben in den ehemaligen „großen Schulsaal“ ein. In gewisser Weise schließt sich nun ein Kreis, wenn die Gemeinde in diesen Räumlichkeiten ihre Geschichte präsentiert.

Am morgigen Sonntag, 13. Oktober, 14 bis 17 Uhr veranstalten die Museumsfreunde im Stadel wieder das traditionelle Krauteinhobeln. Vorgeführt wird diese traditionelle Form der Konservierung von Gemüse mit Salz, die heute in der Regel nur noch für Weißkraut verwendet wird, von Mitgliedern des Vereins. Besucher können gleichzeitig den bewährten Schleifservice von Engelbert Nagl in Anspruch nehmen. (he)


DONAUWÖRTHER EXTRA - MITTWOCH, 06. MÄRZ 2019

Trauer um Anna Wunderer
Sie war lange der Motor des Museumsvereins in Mertingen.
 

Im Alter von 96 Jahren ist in Mertingen Anna Wunderer gestorben. Sie war viele Jahre der Motor und der Ideengeber für den Museumsverein Mertingen. Unter ihrem Vorsitz hat sich der Verein zu einem bedeutenden Kulturträger entwickelt. Anna Wunderer hat ein Dorfmuseum aufgebaut: einen Museumsstadel, in dem landwirtschaftliche Maschinen, Arbeitsgeräte und dörfliches Handwerk ausgestellt werden, ein vollständig eingerichtetes Wohnhaus um die Jahrhundertwende renoviert und mit alten traditionellen Gegenstän den eingerichtet.

Außerdem wurde die „Alte Schule“ durch ihren Einsatz vor dem Abriss bewahrt und als Ausstellungsgebäude hergerichtet, in dem bedeutende Ausstellungen über Kunst und Handarbeiten stattfinden. Zudem geht auf ihre Initiative die Eröffnung eines Ausstellungsraums zurück, in dem frühgeschichtliche Römer- und Alemannenfunde aus Mertingen und Druisheim gezeigt werden.

Dort sind eine alte Schmiede und eine Backstube eingerichtet. Anna Wunderer sicherte dem Museumsverein den Nachlass des Münchner Akademieprofessors Franz Klemmer mit einer großen Sammlung von Zeichnungen und Gemälden.

Dieses vielfältige Engagement, bis hin zur Mitwirkung am ersten Heimatbuch Mertingens, ist vielfältig gewürdigt worden, wie durch den Schwabenpreis. Anna Wunderer wurde außerdem die Bürgermedaille verliehen. (Bih)


Ausstellungseröffnung „Vom Kinderkriegen“

DONAUWÖRTHER ZEITUNG - DIENSTAG: 30. APRIL 2019, Nnummer 100
KULTURNOTIZEN 
MERTINGEN

Die Museumsfreunde Mertingen laden in die Alte Schule (Fuggerstraße 5, hinter dem Rathaus) ein zur Eröffnung ihrer neuen Ausstellung „Vom Kinderkriegen“.

Ein Kind zu erwarten, konnte mit großer Freude und viel Hoffnung verbunden sein. Über Jahrhunderte hinweg waren Geburt und erste Lebensjahre jedoch gleichzeitig Anlass zu Angst und Sorge. Kinder- und Müttersterblichkeit waren hoch. Glaube und Aberglaube halfen, die Angst zu bekämpfen. Aber auch um praktischer Hilfe bemühte man sich: Die Erfahrung und die zunehmende Ausbildung der Hebammen verminderte die Gefahren so wie die wachsenden Kenntnisse und die Entwicklung der Medizin unter dem Einfluss der Naturwissenschaften, sodass sich mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts die Überlebenschancen von Müttern und Kindern deutlich erhöhten. 

Davon erzählen die Museumsfreunde mit Texten und Bildern. Zu den zahlreichen Objekten gehören auch interessante Leihgaben anderer Museen. 

Eröffnung ist am kommenden Sonntag, 5. Mai, 13.30 Uhr.

Weitere Öffnungszeiten: jeweils Sonntag, 2. Juni, 7. Juli, 4. August, 1. September, von 14 bis 17 Uhr. (dz)


Museumssaison in Mertingen wird eröffnet

DONAUWÖRTHER ZEITUNG - DONNERSTAG, 02. MAI 2019 - Nummer 101

Bild: Ulrike Hampp-Weigand

Die Museumsfreunde Mertingen eröffnen die neue Saison am kommenden Sonntag, 5. Mai, mit Vertrautem und Neuem. Auch wer glaubt, schon alles gesehen zu haben, könnte überrascht sein. Im Stadel kümmert sich, wie gewohnt, Engelbert Nagl mit seinem Schleifservice um stumpfe Messer und Scheren. Neu gestaltet und ins rechte Licht gerückt wurden die Sammlungen zum alten Handwerk, vor allem aber die Darstellung des Torfstichs. Torf, unter großen Mühen in der Höll gestochen, spielte für die Wärme in Mertinger Häusern bis in die 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts eine bedeutende Rolle. In der Sölde bilden die Klöpplerinnen um Irmgard Eser wieder eine gesellige Runde. Neuerdings wendet auch die Mode, nach Jahren geringen Interesses, ihre Aufmerksamkeit wieder der Spitze zu. Als Massenprodukt wird sie freilich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts maschinell hergestellt. Das geübte Auge erkennt jedoch den Unterschied in der Qualität sofort.

Besondere Beachtung sollte in der Sölde die Taufausstattung in der Trachtenstube finden, die die Ausstellung in der Alten Schule ergänzt. In der Alten Schule fliegen bei Karl Schabert und seinen Gesellen die Funken in der Schmiede. Besucher können ihr Handwerkszeug zum Ausschmieden und Reparieren mitbringen. Neu ist die Ausstellung „Vom Kinderkriegen“, die sich mit den Lebensbedingungen rund um Geburt und erste Lebensjahre, um Mütter- und Kindersterblichkeit bis in die 1950er-Jahre beschäftigt. Sie erlaubt auch einen Blick auf die Mertinger Verhältnisse und auf die Lebensgeschichte der Hebamme Barbara Wagner.

Die Gebäude der Museumsfreunde Mertingen sind am Sonntag, 5. Mai, von 14 bis 17 Uhr geöffnet.